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Schwangerschaft für werdende Väter

Ein zukünftiger Papa erzählt seine Geschichte

19 Wochen schwanger und so viele Dinge sind zu bedenken. Haben Sie sich aber auch schon mal darüber Gedanken gemacht, wie sich  Ihr Partner als werdender Vater fühlt?

Während der Schwangerschaft konzentriert sich die Aufmerksamkeit zumeist voll auf die Mutter – und das ja auch zu Recht. Aber für werdende Väter ist es ebenfalls eine ungeheuer spannende Zeit mit vielen Höhen und Tiefen.

Ein werdender Vater teilt seine Erfahrungen:

Ich habe mir Sorgen darüber gemacht, ob ich bereit bin, ein guter Vater zu sein. Das fing an als ein Freund entgeistert bemerkte: “Du? Vater? Du machst wohl Witze! Du bist doch selbst noch ein Kind!”

Hatte er Recht? Bin ich wirklich zu unreif, um Vater zu sein? Ich muss zugeben, dass ich in einigen Bereichen noch an mir arbeiten könnte. Zum Beispiel sollte ich mehr darauf achten, was ich sage. Letzte Woche habe ich in Anwesenheit meiner Neffen einen nicht ganz stubenreinen Kraftausdruck benutzt. Auch ohne mich umzudrehen, spürte ich ihre bohrenden Blicke in meinem Rücken. Nur um kurz darauf schallendes Gelächter zu hören. Natürlich wurde ich von den beiden darüber belehrt, dass das ein „böses Wort“ war. Hierbei wurde der Begriff quietschend vor Vergnügen laut und deutlich mehrfach wiederholt. 

Auf einer Skala von 1 bis 10 bin ich vielleicht eine 4

Wenn Kinder um mich herum sind, bin ich schnell ein bisschen zu aufgedreht. Wir rennen herum wie verrückt – entweder jage ich ihnen als wildes Monster hinterher oder sie spielen Mini-Superman und versuchen mich zu fangen.  Das ist jedes Mal ein Riesenspaß, aber ein paar Kratzer und blaue Flecken lassen sich dabei nicht immer vermeiden – das verbessert meine Bilanz als potentieller Vater nicht gerade. Auf einer Guter-Vater-Skala von 1 bis 10  bin ich vielleicht eine 4. Mit etwas Glück auch eine 5.

Gefahren überall

Wo ich auch hinschaue, sehe ich potentielle Bedrohungen für mein Baby, das ja schon in wenigen Wochen auf die Welt kommt. Der Teich zum Beispiel. Den würde ich am liebsten zuschütten. Nicht nötig laut gutmeinender Freunde. Die Treppe? Mit dem gemeinen Winkel? Mach dir keine Gedanken darüber, bekomme ich dann zu hören.

Es heißt, dass man mit Höhen und Tiefen leben muss, wenn man ein Kind großzieht. Dass man sich nach Rückschlägen immer wieder aufrappeln muss. Kinder müssen aus ihren Fehlern lernen. Aber ich würde sie lieber schützen und sie daran hindern, überhaupt Fehler zu machen. Kein Wunder, dass ich mich nicht reif genug fühle, um Vater zu werden. Bei Weitem nicht – ich bin doch selbst noch ein halbes Kind und oft viel zu ängstlich.

Ein Vater, der sich auch mal durchsetzen kann

Letzte Woche ist mir allerdings etwas passiert, das mein Selbstbewusstsein wieder gestärkt hat. Auslöser war der Sohn eines Freundes. Ich habe versucht Zeitung zu lesen, während er mir immer wieder einen Ball an den Kopf warf. Ich habe ihn einmal gebeten, das zu unterlassen. Und dann noch einmal. Ich habe versucht ihm zu erklären, dass mir das weh tut. Aber er wollte nicht aufhören. Schließlich hat es mir gereicht und ich hab mir den Ball geschnappt, woraufhin der Kleine schnurstracks ins Haus rannte. Als er nach etwa einer halben Stunde wieder rauskam, rief er mir entgegen: “Ich mag dich nicht mehr!”. Und ich war unglaublich stolz auf mich. Noch nie habe ich mich über so darüber gefreut, angemotzt zu werden. Und warum? Weil es genau die Worte waren, die ich bei einigen denkwürdigen Gelegenheiten auch zu meiner Mutter gesagt habe. Und es gab mir das Gefühl, ihre (nicht unerheblichen) erzieherischen Fähigkeiten geerbt zu haben. Der Bursche hat mir nie wieder einen Ball an den Kopf geworfen.

Und seitdem schlafe ich wieder viel ruhiger.